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Berufsschule Aarau
Tellistrasse 58
5001 Aarau, Schweiz
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Ethik: Ein grosses Wort wird greifbar

Das diesjährige Podium stand ganz im Zeichen der «Ethik». Zahlreiche junge Leistungssportlerinnen und -sportler, Eltern, Berufsbildungsverantwortliche, Lehrpersonen, Trainingsverantwortliche, Fachspezialisten sowie weitere Interessierte folgten der Einladung zum Traditionsanlass der Berufsschule Aarau bsa. Bereits beim Apéro im Foyer wurde rege diskutiert, Kontakte wurden geknüpft und Erwartungen an den Abend ausgetauscht.

Am Tag nach den Swiss Sports Awards eröffnete Rektorin Margret Baumann das Podium mit einem persönlichen Wunsch: In einigen Jahren möchte sie Talente aus dem Publikum selbst auf der grossen Sportbühne oder im Fernsehen bewundern können. Auf ihrem Weg dorthin, so ihre Überzeugung, werden sich die jungen Sportlerinnen und Sportler an klaren ethischen Grundsätzen orientieren. Ethik bedeutet, Regeln einzuhalten, Gegner und Mitmenschen zu respektieren und auf Betrug, Doping sowie Gewalt zu verzichten. Sport soll nicht nur Leistung zeigen, sondern auch Vorbild für ein faires und respektvolles Miteinander sein.

Stefan Riniker, Koordinator Leistungssport und Berufslehre im Kanton Aargau, begrüsste die Expertinnen und Experten des Abends. Franziska Mohr, Projektleiterin Sport und Gesellschaft im Departement Bildung, Kultur und Sport, sowie Daniel Kim, Jurist und Fachspezialist für Ethik und Recht beim Schweizer Turnverband, brachten ihre Perspektiven ein. Ergänzt wurde das Podium durch Roland Moser und Özkan Ünlü von ask! (Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung), die für Austausch und Vernetzung zur Verfügung standen.

Gemeinsame Basis schaffen

In ihrem Einstiegsreferat legte Franziska Mohr den Fokus auf die Schaffung einer gemeinsamen Grundlage. Die olympischen Werte «Höchstleistung», «Respekt» und «Freundschaft» bilden das Fundament der Ethik-Charta von Swiss Olympic. Alle Sportverbände und ihre Mitglieder verpflichten sich, die neun Prinzipien dieser Charta einzuhalten. Unterstützt werden sie dabei von Ethikbeauftragten innerhalb der Verbände: https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik/ethik-charta.html

Ergänzend dazu bildet das Ethik-Statut die rechtliche Grundlage für die Meldung, Untersuchung und Sanktionierung von Verstössen im Schweizer Sport. Dazu zählen unter anderem Misshandlungen, Machtmissbrauch, unsportliches Verhalten oder strukturelle Missstände. Sämtliche Mitgliedsverbände von Swiss Olympic sowie deren Athletinnen und Athleten sind an dieses Regelwerk gebunden: https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik/ethik-statut

Verstösse müssen gemeldet werden. Dazu steht die unabhängige Beratungs- und Meldestelle Swiss Sport Integrity zur Verfügung. Sie bietet auch anonyme Beratung an und ermöglicht eine unkomplizierte Online-Meldung: www.sportintegrity.ch

Mit dem Aargauer Sportgesetz erhält die Sportförderung zudem erstmals eine gesetzliche Grundlage. Ab dem 1. Mai 2026 (voraussichtliches Inkrafttreten) sollen Kanton und Gemeinden verpflichtet sein, einen gesunden, respektvollen und fairen Sport zu fördern. Gemäss Mohr werden künftig finanzielle Unterstützungen an die Einhaltung der ethischen Vorgaben geknüpft. Bei Verstössen können Beiträge sogar zurückgefordert werden: https://www.ag.ch/de/ueber-uns/kantonale-verwaltung/bks/dossiers-projekte/sportgesetz

Der Ethik-Kompass als Orientierungshilfe

Daniel Kim stellte den Ethik-Kompass von Swiss Olympic vor. Ein Instrument zur Einordnung schwieriger oder unklarer Situationen. Ziel ist es, Orientierung zu bieten und gleichzeitig zur Reflexion des eigenen Handelns anzuregen: https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik/ethik-kompass/info

Der Kompass ist in verschiedene Farbbereiche unterteilt: Im grünen Bereich ist alles im Gleichgewicht. Die Beteiligten fühlen sich wohl. Darauf folgt ein grauer Bereich, in dem Unsicherheit herrscht und Klärungsbedarf besteht. Laut Kim bewegen sich rund 90 Prozent aller heiklen Situationen genau in dieser Grauzone.

Im orangefarbenen Bereich beginnen bereits Ethikverstösse, die unbedingt gemeldet werden sollten. Die äusserste Stufe bildet der rote Bereich. Hier handelt es sich um strafbare Handlungen, bei denen Polizei und Justiz eingeschaltet werden müssen.

Besonders häufig entstehen kritische Situationen in den Spannungsfeldern «Macht», «Ideale», «Nähe» und «Druck». Als wichtigste präventive Massnahme nennt Kim die offene Kommunikation: Erwartungen klären, Handlungen ankündigen und klare Regeln festlegen hilft, Missverständnisse zu vermeiden.

Ein besonderes Highlight waren praxisnahe Fallbeispiele, die das Publikum interaktiv beurteilen konnte. Per QR-Code wurden die Situationen den verschiedenen Farbbereichen zugeordnet. Während sich viele Einschätzungen deckten, zeigte sich in einigen Fällen eine grosse Bandbreite. Ein Ausgangspunkt für spannende Diskussionen.

Alle sind gefordert

In den Gesprächen wurde deutlich: Ethik kennt selten einfache Schwarz-Weiss-Antworten. Viel häufiger bewegen sich Entscheidungen im Graubereich. Je nach Perspektive und Informationsstand kann dieselbe Situation unterschiedlich bewertet werden. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Ein unterstützendes Angebot bietet der Kanton Zürich mit der «Toolbox für Sporteltern». Sie stärkt Eltern in ihrer Rolle und hilft ihnen, ihre Kinder auf dem anspruchsvollen Weg im Leistungs- und Nachwuchssport kompetent und gesund zu begleiten. Die Inhalte decken Themen von Ausbildung über Training bis hin zu Gesundheit und sozialem Umfeld ab: https://www.zh.ch/de/sport-kultur/sport/leistungssport/sporteltern.html

Die zahlreichen Wortmeldungen zeigten eindrücklich, wie relevant und zugleich anspruchsvoll das Thema Ethik ist. Klar wurde auch: Verantwortung tragen wir alle, ganz unabhängig von unserer Rolle. Kommunikation bleibt dabei der zentrale Schlüssel.

Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche und politische Debatten oft von Spannungen geprägt sind, gewinnt die Vermittlung ethischer Werte zusätzlich an Bedeutung. Umso wichtiger ist es, dass Schule, Ausbildung und Sport ein solides Fundament schaffen. Wenn es gelingt, diese Werte im Alltag zu leben, können sich junge Leistungssportlerinnen und -sportler mit Vertrauen auf ihre schulische, berufliche und sportliche Entwicklung konzentrieren.

Podium 2026: Ethik